Fundstück

„myheimat“ könnte Regional- und Wochenblättern das Fürchten lehren

Printmagazin/Cover

Gestern lernte ich einen der Gründer von „myheimat“ kennen. „myheimat“ ist ein Stadtmagazin, das derzeit in 17 Städten (bzw. Städtchen) in Süddeutschland erscheint. Ein hochwertiges, gut gestaltetes, farbiges A4-Magazin, mit interessanten Artikeln direkt aus den jeweiligen Orten, kostenlos für die Leser und finanziert durch Anzeigen.

Und weil es unbezahlbar wäre für jeden Ort eine Redaktion zu unterhalten und Inhalte zu produzieren machen das die Leser selbst. Sie melden sich als Bürgerreporter bei myheimat.de an, schreiben ihre Artikel und laden ihre Bilder hoch. Von dort aus können die Inhalte dann mit minimalem Aufwand direkt in die Druckdokumente übernommen und somit nicht nur im Web sondern eben vor allem im Print publiziert werden. Ein Schlüsselfaktor um Öffentlichkeit für „myheimat“ aufzubauen.

Der Lohn für die Bürgerjournalisten liegt in der Öffentlichkeit die sie erlangen können. Und in dem hochgradig attraktiven Angebot endlich ein relevantes Magazin für ihre Heimat zu ermöglichen. Denn die journalistische Belanglosigkeit von Wochenblättern hat dem ja kaum etwas entgegenzusetzen.

Das ein Markt für lokalen Qualitätsjournalismus da ist, dass zeigen Konzepte wie „DasViertel“ von Mark Bloemeke in Hamburg. Als Einzelkämpfer gibt der Journalist seit ein paar Jahren ein ambitioniertes und immer wieder spannendes Stadtteilmagazin heraus. Doch er kann natürlich weder auf eine technische Plattform noch auf Bürgerreporter wie bei „myheimat“ zurückgreifen.

Ansätze, die den Bürgerjournalismus-Gedanken verfolgen, gibt es ja schon einige. Beispielsweise das Netzeitung Spin-off „Readers Edition“ oder „mindestens haltbar“ von der östereichischen agentur knallgrau. Diese setzen zwar auch auf User Generated Content, aber wegen des alleinigen Vertriebskanals Web und der Themenfreiheit (denn hier kann über alles berichtet werden) dürften sie eher wenig Reichweite und Relevanz besitzen und vor einem Erlösmodell-Problem stehen.

Und dann sind da noch die lokalen Verzeichnis- und Empfehlungsdienste, wie das von mir sehr geschätzte QYPE oder dialo.de. Aber auch die haben zumeist nicht den Kanal Print im Gepäck, womit sich ihr User-Kreis zunächst auf internetaffine Yuppies beschränkt. Und ob die Anreicherung von Adressen nun eher zu einem Verzeichnisdienst oder einem Stadtmagazin führt bleibt heiß diskutiert (siehe hier wie dort) und muss sich wohl erst noch herausstellen.

[…] Eines jedoch ist klar: Der wirkliche Kampf lokaler Verleger besteht darin, den lokalen Verbrauchern relevante Informationen zu liefern […]

aus: Klein Report, Dreikönigstagung 2007

Ein Geschäftsmodell wie „myheimat“ ist mir bislang noch nicht untergekommen. Die intelligente Kopplung von User Generated Content, der Verknüpfing von On- und Offline-Welt, dem Trend zum Lokalen und einem Long-Tail-Erlösmodell kann eigentlich nur zum Erfolg führen.

Soweit mal meine ersten Gedanken zu „myheimat“ inklusive einer Tiefen Verneigung vor den Gründern des zugehörigen Verlags gogol medien (wie sich’s gehört mit Blog ;-)
An dieser Stelle gibt’s sicher bald wieder was von Euch zu lesen. Denn was ihr da macht, haut mich wirklich vollkommen aus den Socken!

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10 Gedanken zu “„myheimat“ könnte Regional- und Wochenblättern das Fürchten lehren

  1. Ich habe gogolmedien vor ca. einen halben Jahr entdeckt. Die Magazine waren „Flächendeckend“ in unserem“Städtchen“ ausgelegen. Darin war die Einladung zum Bürgerreporter. Damals war gerade die Diskussion um den Bildzeitungs-Bürgerreporter. Der entscheidende Unterschied war das die redaktionele Überprüfung wegviel , also der Erfolg der geschrieben Wörter ( Bilder) sofort eintrat. Ein Empfehlungssytem sorgte für Resonanz und direkte Kontrolle unter den Usern. Ein sich selbst regulierendes chaotisches System an dem Frederik Fester seine Freude hätte. Ich schreibe und poste jetzt seit einiger Zeit mit zunehmendem Erfolg. Die Schreiber bekommen Öffentlichkeit erst recht wenn er im Printmagazin abgedruckt wird. Das bedeutet „Mitverantwortung“ und Selbstbewußtsein hat therapeutische Wirkung „es hört jemand zu“ und das in der Öffentlichkeit nicht versteckt in irgendwelchen virtuellen Kneipen. Als Künstler mit Hang zur Selbstdarstellung eine ideale Plattform und steckt nicht in jedem von uns ein Künstler ?
    Ich wünsche allen ein schönes Leben Gruß Manfred Habl

  2. Toll zu hören, dass das myheimat-Konzept nicht nur in meiner Phantasie (ich hatte ja noch nie ein Heft in der Hand) sondern auch ganz real funktioniert.

    Ich wünsche ebenfalls noch ein schönes Leben,
    lvgwinner

  3. Pingback: UPLOAD » Gedruckter Bürgerjournalismus

  4. Pingback: Kurz + Knapp 37/2007, Medienrauschen, das Medienweblog

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  7. Na ja, soooo doll ist das nun auch wieder nicht. Es sind ja schon Regional- und Wochenblätter da eingestiegen. Wie auch immer, umsonst ist der Tod, und der kostet das …….. Der wunde Punkt, eben das langfristige Über-Leben bei solchen Projekten, ist im Endeffekt immer die Finanzierung. Denn an potentielle Leser verkaufen kann man diese Internet- und Printergüsse nicht, weil mit zuviel persönlichem Herzblut aus dem relativ geschlossene Kreis der Zulieferer und User behaftet. Wer interessiert sich denn für meine Urlaubsdias?!

  8. Hallo EA.Hölscher,

    Danke für Deinen Kommentar. Inzwischen (fast zwei Jahre nach dem erscheinen dieses Blogposts) sind tatsächlich Regional- und Tageszeitungen bei myheimat eingestiegen. Und zwar weil es eine langfristige Finanzierungsperspektive gibt. Ich glaube auch nicht dass das Verkaufen des Magazins an die Leser Erfolg haben würde, aber die Anzeigen von Werbekunden dürften das Magazin auch so ganz gut durch finanzieren. myheimat verdient auf jeden Fall Geld, ist quicklebendig und wächst.

    Und zur Frage mit den Urlaubsdias: Für die interessieren sich ja vielleicht tatsächlich nur Freunde und Verwandte, aber wenn es die Urlaubsdias der Austauschreise des örtlichen Karnevalsvereins sind, sieht es schon anders aus. Erstere dürfen online ausgetauscht werden, letztere wandern dann evtl. ins Heft.

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