Fundstück

Allüberall Journalismus im Umbruch, aber werden Journalisten wirklich zu Marken?

Das Thema springt einen momentan echt überall an: Paradigmenwechsel im Journalismus – diesmal aufgegriffen vom Themenblogger Mark Pohlmann der auf einen FAZ-Artikel mit Dan Gillmor, Leiter des Instituts für Bügrerjournalismus (Harvard/Berkeley) und selbst lange Journalist, verweist.

Der Artikel ist sehr lesenswert, aber der letzte Abschnitt lässt mich stutzig werden:

„Die Werbung wird vom Journalismus getrennt. Ich habe keine Lösung für das Problem. Die Medien müssen experimentieren, um neue Geschäftsmodelle auszuprobieren“, sagte Gillmor. Er warnte aber davor, zu stark auf die Kraft einer etablierten Marke zu vertrauen. „Junge Menschen richten sich nicht mehr so stark an Medienmarken aus. Vielmehr werden Journalisten selber zu individuellen Marken“, sagte Gillmor.

Auf den ersten Blick ist das ja wirklich so. Würde Thomas Knüwer zur FTD wechseln, die Leser würden folgen. Aber das wird wohl die Ausnahme bleiben. Die eigentliche Leistung einer Medienmarke ist es ja immer wieder neue Talente zu entdecken und ihnen eine Bühne zu bieten. Das kann und will ich kleiner Leser ja gar nicht leisten. Und so greife ich gerne zur Marke meines Vertrauens, sagen wir brand eins, und entdecke immer wieder neue hervorragende Vertreter der schreibenden Zunft. Ohne die Leistung dieser Medienmarke wären mir Wolf Lotter, Peter Lau oder Ralf Grauel wahrscheinlich bis heute kein Begriff.

Auch die pekuniäre Seite spricht dafür, dass Medienmarken auch in Zukunft diese Leistung anbieten können. Denn die Anzeigenkunden laufen ja weiter durch die Welt. Und die wollen ihr Geld schließlich irgendwo loswerden. Bei Journalistenmarken? – schwer vorstellbar, da akut glaubwürdigkeitsgefährdend. Aber bei Medienmarken ist das natürlich nach wie vor möglich.

Wenn sich Medienmarken darum kümmern zukünftig ein scharfes Profil, d.h. eine erkennbare Empfehlerfunktion, für ihre Leser (Gucker, Hörer, whatsoever …) abzugeben, dann werden sie auch weiterhin nicht an Relevanz einbüßen. Und im Gegensatz zu einzelnen Journalisten, haben sie den entscheidenden Vorteil ihre Relevanz problemlos in klingende Münze umsetzen zu können.

Die Frage ist also eher: Brauchen Medienmarken noch hochbezahlte Journalisten oder könnte diese Aufgabe nicht großteils dem Heer der freiwilligen Bürgerjournalisten zufallen.

Weitere Postings von mir zu dieser Thematik:
Zur Zukunft der Zeitung
“myheimat” könnte Regional- und Wochenblättern das Fürchten lehren
Tischthema #02 »Bürgerjournalismus und myheimat« mit Dr. Matthias Möller

Nachtrag vom 11.04.2007:
Gerade lese ich drüben im Themenblog den wundervollen Beitrag „Medien: Das Ende der Bonner Republik“ u.a. mit folgendem Zitat:

Journalismus ist nicht länger eine Frage der Gesinnung, sondern der Effizienz. Wir stehen vor einem neuen Massenmarkt für freie Autoren, die nach Reichweite bezahlt werden, und einen Personenkult um wenige Star-Autoren.

Wasser auf meine Mühlen.

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