Fundstück

Zeitungsverleger: Print bringt Kohle, Online nur Peanuts

Eine Erfolgsmeldung zum steigenden Online-Werbevolumen jagt die nächste (z.B. hier). Da merkt man auf wenn man folgendes Zitat liest:

„Nicht mit dem Internet verdient unsere Branche ihr Geld, sondern mit weitem Abstand immer noch mit unseren Druckerzeugnissen“

Jörg-Peter Knochen, Vorsitzender des Verbandes nordwestdeutscher Zeitungsverleger laut heise online

Jetzt könnte ich mich über die Ewiggestrigkeit dieser Verleger echauffieren, sowie es auch die ewigmorgigen Digitalpropheten in den Kommentarfeldern bei heise online tun. Aber das ist mir zu einfach, denn der Herr Knochen hat mit seiner Aussage ja recht.

Zeitungsverlage schaffen es meist nicht ihre Inhalte auch online gewinnbringend zu verwerten. Vielleicht weil es ihnen nicht gelingt diese dort state-of-the-art aufzubereiten (die Website der Oldenburgische Volkszeitung hier mal als Beleg dieser These). Vielleicht weil es ihren Anzeigenverkäufern zu kompliziert ist auch noch Online-Werbefläche an den Mann zu bringen und sie stattdessen als Dreingabe zu Print-Buchungen verschenken. Vielleicht auch weil ihre Redakteure nicht begriffen haben welche cross-medialen Möglichkeiten sie für die Darbietung ihrer Inhalt nutzen könnten, wenn sie es nur richtig anstellen würden.

Offenbar fragen sich das aber auch die Zeitungsverlger selber. Denn sie fangen ja doch langsam an in zukunftsweisende publizistische Projekte zu investieren.

Update 09.04.2008:
Der Chef von Zeit Online lässt sich übrigens mit folgenden Worte zitieren:

„In Deutschland gibt es zu viele Tageszeitungen. An dieser Wahrheit kommen wir nicht vorbei. […] Wir werden es bald erleben, dass sich große deutsche Tageszeitungen für einen wöchentlichen Erscheinungsrhythmus entscheiden.“

Wolfgang Blau, Chefredakteur Zeit Online via Horizont.net

Advertisements
Standard

2 Gedanken zu “Zeitungsverleger: Print bringt Kohle, Online nur Peanuts

  1. „…Vielleicht auch weil ihre Redakteure nicht begriffen haben welche cross-medialen Möglichkeiten sie für die Darbietung ihrer Inhalt Nutzen könnten, wenn sie es nur richtig anstellen würden.“
    Vielleicht liegt es auch daran, dass der handelsübliche Lokalzeitungsleser noch nicht mit letzter Konsequenz im digitalen Zeitalter angekommen ist und den Mehrwert einer gut gemachten Zeitungs-Webseite zu schätzen weiß. Schließlich geht derWesten gerade alles andere als ab in den Süden.

    Myheimat liefert zwar auch für diese Altersstuktur ein Gegenbeispiel, aber leider leider auch nur für den kleinen Bruchteil der „lean forwarder“ da draußen…

  2. Is scho recht. Das steckt alles noch in den Kinderschuhen. Aber ich frage mich weshalb es Lokalzeitungen einfach nicht gelingen will Relevanz im Web aufzubauen: Lokale Inhalte sind außerordentlich interessant und spannend für die Leute vor Ort. Wenn man Sie im Web gut darbietet kann man sie zum Beispiel weiter veredeln (siehe myheimat) oder eine Community darum aufbauen (siehe Kleine Zeitung in Österreich) und und und. Da liegen zukünftige Geschäftsfelder rum, die es zu erschließen und beackern gilt. Auch wenn es anfangs mühsam ist und die Früchte noch nicht zahlreich.

    Im Web wird Kohle verdient. Vielleicht noch nicht so viel wie anderswo, aber mit steigender Tendenz. Und als Verlagsmanager muss ich dafür sorgen an diesen Töpfen langfristig und nachhaltig partizipieren zu können.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s