Digitaloffice reblogged

Klassische Marken als digitale Infrastrukturanbieter

Mit Öffnung der Nike+ Schnittstelle für externe Entwickler erschließt Nike geschickt enorme digitale Markenpotenziale. Für klassische Marken, wie dem US-Sportartikler, ein revolutionäres Verhalten. Die meisten klassischen Marken nutzen dieses digitale Potenzial nicht einmal ansatzweise.

Nike erschließt systematisch digitale Potenziale

Nike+ ist eine unglaubliche Erfolgsgeschichte. Mit Schrittzählern und Armbändern voller Bewegungssensoren heizen sie dem Quantified-Self-Trend bereits seit Jahren maßgeblich mit ein. Leistungsdaten erfassen und auswerten ist für Freizeitsportler mit Nike+ Equipment problemlos möglich. Doch damit ist Nike nicht allein: Spezialisierte Wettbewerber, z.B. Runtastic, machen vergleichbare Angebote. Und auch andere große Sportartikler sind nach langem Zögern nachgezogen, z.B. adidas miCoach.

Nun öffnet Nike seine Nike+ Datenschnittstelle für externe Entwickler. So können auch Programme Dritter die erfassten Leistungsdaten auswerten und nicht nur Nike-eigene Software. Zum Beispiel kann eine Diät-App Zugriff auf meine beim Laufen verbrannten Kalorien erhalten. Nike+ öffnet damit sein proprietäres Daten-Silo und wird zum offenen Ökosystem. Dass Nike+ bereits einen ordentlichen Marktanteil mitbringt und die Nutzung der Schnittstelle kostenlos ist, macht sie für Drittanbieter besonders attraktiv. Mehr noch: Nike wirbt mit freien Workshops und dotierten Wettbewerben pro-aktiv um Entwickler.

Digitaler Killefiz oder Grundlage künftigen Erfolgs?

Nike setzt darauf, dass Nike+ zum Quasi-Standard der Erfassung persönlicher Leistungsdaten wird. Die Kontrolle dieses Standards läge dann bei Nike, vergleichbar mit der Art wie Apple Kontrolle über die Leistungsbreite von Apps auf seiner Plattform hat. Je stärker Nike mit dem digitalen Leben seiner Kunden vernetzt ist, desto mehr Chancen für die Marke, einen lebendigen Dialog mit ihnen zu führen. Die gesammelten Daten und der direkte Draht der Marke zum Endkunden bescheren die Grundlage für passgenaue Produktentwicklung und eröffnen Absatzpotenzial für Nike Hardware: ganz gleich ob in Form technischen Equipments oder klassischer Sportartikel. Vor allem aber steigert es die Attraktivität von Nike gegenüber Wettbewerbern: Je mehr spannende Apps für die Nike+ Welt vorliegen, desto uninteressanter werden Angebote, die nicht damit zusammenarbeiten.

Auch für andere klassische Marken eine Chance? Ja klar.

Es verwundert, warum nicht viel mehr klassische Marken ihre Marktstellung nutzen und konsequent an der Einführung digitaler
Infrastrukturstandards arbeiten. Statt digitale Potenziale zu nutzen, finden sie sich mit minimal-attraktiven Branchenstandards ab oder entwickeln halbgare proprietäre Lösungen.

Drei Beispiele:

… z.B. ein Finanzdienstleister als digitaler Infrastrukturanbieter?

Für Online-Banking gibt es einen Branchenstandard, aber mit dem lässt sich nur der kleinste gemeinsame Nenner seiner Geldbewegungen steuern. Warum versucht kein Finanzdienstleister, sei es eine Bank, eine Versicherung oder ein Vermittler wie MLP, AWD etc., die persönliche Finanzverwaltung zum einen intelligent und einfach anzubieten und zum
anderen Drittanbietern eine umfassendere und leistungsfähigere Schnittstelle bereitzustellen?

… z.B. ein Automobil-Hersteller als digitaler Infrastrukturanbieter?

Allein rund um das Thema Location-Based-Services lassen sich tausende sinnvoller Anwendungsszenarien denken, die Automobilhersteller ihren Kunden mit einer Schnittstelle zur Geoposition des Fahrzeugs eröffnen könnten. Ist die Vorstellung so abwegig, dass die Fülle an Apps, die es für einen Audi gibt, den Ausschlag gegenüber dem Kauf eines BMWs haben könnte?

… z.B. ein Consumer Electronics Unternehmen als digitaler Infrastrukturanbieter?

Elektrische Geräte im Haushalt zu steuern, vom Licht über Musik oder Fernseher bis hin zur Türklingel ist ein alter Traum. Die Lösungen am Markt sind allesamt von durchwachsener Qualität, vor allem aber proprietär. Eine System mit offener Software-Schnittstelle von einer starken klassischen Marke in der Größenordnung Philips, Braun, Siemens würde ein enormes digitales Potenzial entwickeln, oder?

Advertisements
Standard

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s