Marke und Ting

Das Lohahaha jung verdorbener Werbepimpfe – wenn es nur nicht so tragisch wäre

Auf Wunsch würdige ich hiermit das obige Machwerk einiger Jungwerber der Agentur SelectNY. Bei näherer Betrachtung ist es wenig bemerkenswert. Aber da ich nun schonmal dabei bin, kann ich ja auch gleich sagen warum:

Grund No.1:
Der Spot wurde für einen Kreativpreis produziert
Der Spot wurde für den Cannes Lions Wettbewerb auf YouTube produziert. Die Aussagekraft solcher Kreativpreisen ist ohnehin diskutabel, aber ebenso tragisch sind die dadurch geschaffenen falschen Anreize. Unschuldige Jungkreative werden dazu verleitet sich in ihrer spärlichen Freizeit irgendwelchen total lustigen Werbespot-Blödsinn aus dem Hirn zu leiern. Hätten Sie sich stattdessen mit dem erzielen von Wirkung durch kluge Kommunikation als Aufgabe genommen, wäre Ihnen vielleicht aufgegangen, dass total lustiger Werbespot-Blödsinn dabei in Zukunft eher ein Randphänomen ist. Ergo wär es sinnvoller sich mit alternativen Konzepten zu beschäftigen. Aber das ist natürlich mühsam, in der Agentur haben sie davon noch nie was gehört und – hey – ’nen Cannes Lions bekommt man dafür auch nicht.

Grund No.2:
Der Spot will das Klima retten
Der Spot wird zur Rettung des Klimas nichts beitragen, außer das er in einem Google-Rechenzentrum Strom für das abspielen des YouTube-Films verbraucht. Er ist einfach ein weiteres Beispiel scheinheiliger Loha-Ansprache nach dem Motto „Öko ist jetzt hip und man kann das Thema endlich auch mal voll trendy erzählen“. Interessiert halt niemanden, weil es soweit entfernt von der eigentlichen Problematik ansetzt das es schmerzt. Mir wird kein Vorschlag gemacht was ich konkret tun könnte und ich lerne auch nichts neues über das Thema Klimawandel. Da gibt es deutlich bessere Beispiele wie man Bewusstsein für dieses Thema schaffen kann. So bleibt es ein leidlich komödiantisches Filmchen … vielleicht ja was für den Sat.1 Comedy-Freitag.

Grund No.3:
Der Spot soll ein Viral sein
Virals funktionieren selten. Sehr selten. Wer genau wissen will warum, der sehe sich die Podiumsdisukksion mit Martin Oetting und Sven Markschläger auf der next09 an. Toll wäre der Spot, wenn er eines der seltenen viral wirkenden Beispiele wäre. Aber da sind wir dann wieder bei Grund No.2: Dafür müsste er inhaltlich auch etwas aussagen.

Fazit:
Der Spot ist nicht bemerkenswert.
Aber jetzt ist immerhin mal erwähnt warum.

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Qype macht Revolution statt Evolution – aktive Wertvernichtung ohne Not

Das neue Qype Logo

Das neue Qype Logo

Hätte das nicht auch gereicht?

neues Qype Logo mit den alten Farben – Modifikation von mir

Neues Qype Logo mit den alten Farben – Modifikation von mir

Wie Qype auf seinem Blog heute berichtet, steht die Plattform kurz vor einem Relaunch. Wie dieser das Navigationskonzept verändern wird, lässt sich bisher nur erahnen. Was allerdings deutlich wird: Qype hat vor Design und Farbgebung deutlich zu ändern. Sehr verwunderlich, denn vor allem mit den Farben vernichten Sie ein Designelement, das sie in langjähriger Aufbauarbeit in den Köpfen Ihrer Nutzer verankert haben. Nicht zuletzt durch tausende von Aufklebern die inzwischen an jedem Schaufenster halbwegs hipper Läden in den Metropolen der Republik bappen. Es ist mir vollkommen unverständlich wie man sehenden Auges existierende Werte in die Tonne kloppt, nur weil andere Farben subjektiv gerade als frischer, jünger und dynamischer empfunden werden.

Nicht falsch verstehen: Ich bin nicht gegen Weiterentwicklung des Designs einer Marke. Aber wenn man bereits ein eingeführtes Design besitzt sollte das evolutionär geschehen. Es sei denn man möchte bewusst mit alten Werten brechen und hat gleichzeitig noch genug Kohle zum verpulvern auf der Seite um das neue Design mit einer aufwändigen Imagekampagne einzuführen. Aber offenbar wirft Qype inzwischen genug Schotter ab, das die Verantwortlichen meinen sich das leisten zu können.

Update: Auch auf Deutsche Startups tobt in den Kommentaren die Debatte.

Update 14.05.2009:
Ein Blick auf die ivw-Ausweisung von QYPE (hier entlang) zeigt, dass das Portal seit dem Relaunch offenbar bei den Visits nicht mehr wächst. Außerdem sinkt die Zahl der Page Impressions pro Visit signifikant von 3,16 im Febrauar auf 2,60 im April. Für ein Web 2.0 Angebot das normalerweise viel Interaktion der User mit der Seite erfordert ein verwunderlicher Wert. Vielleicht misinterpretiere ich das ja auch, aber wenn es stimmt hat der Relaunch für QYPE in Deutschland einen unangenehmen Trend ausgelöst. Ich selbst finde mich auf der Seite zumindest nicht mehr wirklich zurecht und beweg mich entsprechend weniger darauf. Das die Probleme gab bestätigt auch der neue QYPE-Chef im Meedia-Interview vom 07.05.:

Wie war die Reaktion auf den Relaunch von Qype?
Taylor: Die Reaktion der Community fiel in den einzelnen Ländern entsprechend unterschiedlich aus. Wir sind in neun Nationen vertreten. In allen anderen großen Märkten wie Großbritannien, Frankreich und Spanien haben wir ein positives Feedback erhalten. In Deutschland war die Reaktion etwas gemischter. Die deutschen Mitglieder bringen viel Leidenschaft mit, was wir großartig finden. Hier haben wir daher auch kritisches Feedback bekommen.

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Obama-Strategie zum Nachmachen – erklärt vom Marketeasing-Experten

Unstrittig ist:
Obama hat sich hervorragend vermarktet.

Strittig dagegen:
Was kann man daraus für’s Marketing lernen?

Erklären tut es der Großmeister unaufgeregt erläuterter Marketingpraxis: Bernd Röthlingshöfer hat in einem hervorragenden Posting die wichtigsten Ableitungen perfekt zusammengefasst.

Was bleibt da noch zu sagen, außer: Lesen!

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Ultrakonsequente Agenturwebsites

Nur schnell mal notieren: Als SinnerSchrader ihre neue Website an den Start brachte, die eigentlich nur eine Verteilerseite zu verschiedenen Sozialen Netzwerken und Web 2.0 Diensten ist, war ich bereits von der Konsequenz beeindruckt. Aber jetzt habe ich gerade die Website von RedBull Creative entdeckt, die ausschließlich in Kommentarfeldern stattfindet. Nicht schlecht.

Muss mich bei Gelegenheit mal auf die Suche nach noch mehr solcher Beispiele machen.

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Mit Initiativen langfristig Themen besetzen

Dove Intiative für wahre Schönheit

Dove hat es mit der „Initiative für wahre Schönheit“ vorgemacht, jetzt kommt Jacobs Krönung mit seiner „Initiative für das gute Gespräch“. Bin ja mal gespannt ob es mit dem „guten Gespräch“ ein weiteres Mal gelingt ein allgemeines Thema nachhaltig für eine Marke zu besetzten. Das scheint zumindest der Plan der Kraft Marketiers zu sein.

„Wir werden das Thema ‚Gute Gespräche‘ für Jacobs Krönung langfristig besetzen.“
Kamran Wührmann
Marketing Manager Filterkaffee für Deutschland und Österreich

jacobs Krönung Initiative für das gute Gespräch

Vielleicht sollten wir Frau Wührmann ja mal zu einem guten Gespräch darüber einladen ;-)

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evonik ist Sklave seiner Corporate Design Regeln

Corporate Design Guidelines sind Gesetze zum visuellen Einsatz der Marke. Und genau so werden sie von Unternehmen all zu oft auch verstanden. Da gibt es definierte Abstände von Gestaltungselementen zueinander, Weißräume um Logos und sonstiges starres Zeug an das sich Marketingverantwortliche sklavisch klammern um ja keinen Fehler zu begehen.

evonik Markenverantworliche branden korrekt aber häßlich.

Illustrieren lässt sich das mit dem besonders unschönes Beispiel des evonik Logos auf den Borussia Dortmund Trikots. Denn die Fläche für Logos ist dort eigentlich schwarz, aber das sieht evonik’s Guideline offenbar nicht vor. Darum prangt auf der schwarzen nun erstmal eine weiße Fläche. Auf dieser prangt – hässlich aber korrekt – das evonik Logo in seiner ganzen Pracht. Damit haben die Marketingverantwortlichen zwar nach Vorschrift gehandelt, aber gleichzeitig bewiesen wie dogmatisch sie ihren Markenauftritt interpretieren. Was sagt mir das: Die Marke ist offenbar nicht in der Lage sich in fremden Umfeldern adäquat zu benehmen. Zum Vergleich: Wenn ich mit Nadelstreifen und Krawatte in der Fankurve erscheine dürfte sich mein Sympathiegewinn bestenfalls in Mitleidskategorien bewegen.

Trotz eindeutiger Regeln gilt also auch im Marketing der Leitsatz „Denken hilft“. Das belegen zum Beispiel die Verantwortlichen von Tui. Auf dem roten Trikot von Hannover 96 macht es nämlich wenig sein ein rotes Logo abzubilden. Korrekt wäre es gewesen zunächst einen andersfarbigen Streifen (um im Tui Corporate Design zu bleiben hätte der wahrscheinlich hellblau sein müssen) auf Trikot zu applizieren. Schön wär das nicht und darum rang man sich zum Regelbruch durch. Jetzt erscheint das Logo weiß auf rot. Das sieht gut aus und ist sympathisch. Aber was besonders bemerkenswert ist, liebe Damen und Herren bei evonik, die Marke bleibt trotzdem wiedererkennbar.

Tui macht es richtig und rückt im Fall der Fälle vom Dogma der roten Logo Darstellung ab.

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